Durch einen Soundvorhang betreten die Besucher*innen die Pop-up-Ausstellung im Hedi Keller-Saal. Sie erfahren aus Briefen des ehemaligen Museumsdirektors Alfred Bühler, wie erpicht das Museum darauf war, Textilien zu sammeln.
In dieser Ausstellung dreht sich alles um Stoffe – deshalb sind die Stationstexte auch auf Fahnen gedruckt, die von der Decke hängen. Das Team Provenienzforschung zeigt, wie im MKB Wissen generiert wurde, wie die Textilsystematik entstanden und mit der Museumsgeschichte verwoben ist.
Zu Beginn begegnen die Besucher*innen den Akteur*innen. Sie begleiten sie in der ersten Station auf eine Forschungsreise nach Timor, um Arbeitsprozesse zu studieren. Sie treffen auf ein Tuch aus Afghanistan, das der Weber der Forscherin gewidmet hat. Sie lernen, warum koptische Textilien in Europa einen Sammelboom auslösten und für das MKB zu Aushängeschildern wurden. Und sie erfahren, dass in Ungarn dank dem Verkauf von Bändern Essen auf den Tisch kam.
Wie die Textilsammlung mit dem Kolonialismus verflochten ist, wird in der zweiten Station deutlich. Ein eindrückliches Beispiel ist das Kriegshemd aus dem Sudan, das in Ägypten als Souvenir erworben wurde. Das Forschungsteam ging den Wegen nach, wie es nach Basel kam und rollt zudem die mögliche Bedeutung und Geschichte der Flicken auf dem Hemd auf.
In der dritten Station wird weniger in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft geblickt. Denn durch die Textilien und ihre Herstellungsgeräte lassen sich neue Beziehungen knüpfen. Dass eine Spindel aus Kolumbien mehr ist als nur ein Werkzeug, erfuhren die Forschenden anlässlich eines kürzlichen Besuchs von Vertreter*innen der Herkunftsgesellschaft im Museum.
Durch den Kontakt mit Angehörigen der afghanischen Diaspora in Basel wissen sie nun um die emotionale Bedeutung bestickter Gebettücher. Und im Austausch mit einem lokalen Tessiner Museum gehen sie der Frage nach, für welchen Preis ältere Frauen Taufhauben weggegeben haben.
Befragt werden auch die Besucher*innen. Ihre Antworten können sie an ein Netz in der Mitte des Ausstellungsraumes hängen. In einer Leseecke steht Literatur bereit, um sich ins Thema zu vertiefen und auf einem Bildschirm werden ihnen Nahaufnahmen der ausgestellten Textilien gezeigt.