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Darf es Rot sein?

Farben spielen in der Museumsgestaltung eine ganz wichtige Rolle und sind das Thema der nächsten Ausstellung. Wie und warum sich das Team für welche Farben entscheidet, erzählen Vera Saner und Valentina Conzetti.

Vera Saners Lieblingsfarbe ist ein pastellfarbenes Pistache-Grün, weil es eine beruhigende Ausstrahlung hat. Valentina Conzetti mag es ebenfalls ruhig, tendiert aber eher zu einem Dunkelblau.

Die beiden sind Teil des Gestaltungsteams im MKB. Für dieses sind Farben überaus wichtig. «Farben sind ein mega grosses Thema bei jeder Ausstellung», sagen Vera und Valentina.

Ein heller Ausstellungsraum mit farbenfrohen Skulpturen und Gemälden auf gelben Podesten

Blick in einen farbenfrohen Raum der Ausstellung «Alles lebt»

Sie erzählen, dass es jeweils sehr viele Diskussionen rund um die Farbwahl gibt. Und auch intensiven Austausch untereinander sowie mit den für die Ausstellungen verantwortlichen Kurator*innen. Das Team lasse sich bewusst stets viel Zeit, um die richtigen Farben zu finden.

Es gilt viel zu berücksichtigen bei der Farbwahl. Zum einen müssen die Farben auf die Objekte abgestimmt werden, die in eine Ausstellung zu stehen kommen. Das sind im MKB jeweils hunderte.

Mit den Objekten harmonieren

Die Gestalter*innen sehen sich die Objekte bevorzugt bereits in den Depots an, bevor die ausgewählten Dinge an den Münsterplatz kommen. Farben wirken live immer anders als auf Fotos im MKB-Online-Katalog.

Holzskulpturen in verschiedenen Grössen stehen in einem hellen Ausstellungsraum auf Podesten in verschiedenen Braun- und Grautönen

Dezente Töne in der Ausstellung «Memory»

Valentina und Vera erklären, dass die Ausstellungsfarben mit den Objekten harmonieren müssen. Es sei denn, sie sollen sich beissen – je nachdem, was in der Ausstellung damit erreicht werden will. Die Exponate dürfen aber auf keinen Fall in den Farben verschwinden. Sie müssen klar hervorstechen. Kontraste seien gesucht, betonen die beiden.

Farben sollen die Leuchtkraft oder die spezifischen Eigenschaften der Objekte betonen. Sie dürfen jedoch keine Konkurrenz zu den Dingen sein, nie im Vordergrund stehen. Und dennoch ebenfalls ihre volle Wirkung entfalten. Auf grossen Flächen sehen Farben zudem oft anders als auf kleinen Farbmustern, also muss viel ausprobiert werden.

Die Besucher*innen ansprechen

Farben haben noch weitere Aufgaben: Sie repräsentieren die Geschichte der Gestaltung einer Ausstellung, sie sollen die Besucher*innen ansprechen, bei ihnen Assoziationen und Emotionen auslösen. 

Farben müssen zudem auf die Räumlichkeiten abgestimmt werden. Diese sind im MKB meist weiss. Zu Weiss passe zwar jede Farbe, sagen Vera und Valentina, doch die Räume seien schon sehr weiss. Auf der vierten Etage gilt es ausserdem den anthrazit-farbenen Teppich zu berücksichtigen. 

Ein langer Flur mit einem Bildschirm links an der Seitenwand, mehreren Nischen mit Objekten drin und einem raumhohen Fenster am Ende

Durch einen blauen Gang betreten die Besucher*innen die Ausstellung «Der Weg ins Jenseits»

Die Besucher*innen loben die dortige Farbgebung der Ausstellung «Der Weg ins Jenseits» immer wieder. Valentina berichtet, dass die Farbe(n) für den Gang schnell klar waren: Blau in drei Abstufungen, wie der Himmel.

Die Entscheidfindung für die anderen Stationen dauerte lange. Das Team arbeitete mit sehr vielen Farbmustern. Immer wieder aber kamen sie auf Rot – und zögerten. «Ist Rot zu sehr die Farbe von Blut, von Tod? Zu Teuflisch, fragten wir uns», erzählt Vera.

Ein Museumssaal mit roten Wänden zeigt goldene und bräunliche Objekte auf roten Podesten

Das Rot im Hintergrund lässt die goldenen Objekte in der Ausstellung «Der Weg ins Jenseits» wunderschön leuchten

Doch viele Objekte in der Ausstellung sind naturfarben und/oder mit viel Gold verziert. Da passt Rot nun einmal.

«Es war eine Gratwanderung», sagt Vera. Schliesslich entschied sich das Team für ein bräunliches Rot, das stark genug, als auch passiv genug ist und dennoch ästhetisch schön.

Manchmal braucht es Zurückhaltung

«Die technische Seite von Farben ist ebenfalls zu berücksichtigen, wie Menschen Farben sehen», führt Valentina ein weiteres Kriterium an. Gerade in einer Ausstellung wie «Die Eule ist pink», die momentan im Aufbau ist und möglichst inklusiv gestaltet wird, ist dies natürlich wichtig.

Ein grosser grauer Kubus mit Holzkanten steht in einem hellen Raum vor gelber Hebebühne

Noch ist die Ausstellung «Die Eule ist pink» im Aufbau, doch sie zeigt schon Farbe

Bei «Die Eule ist pink» dreht sich alles um Farben. Es brauche deshalb einen zurückhaltenden Hintergrund, befand das Team. Wände und Podeste werden Schwarz-Braun sein. «Zu diesem weichen Schwarz-Braun passt jede Farbe», sagen Vera und Valentina. Und: Mische man alle Farben, werde es braun. Das passt also wunderbar.

Die Farbwahl unterstützt zudem den inklusiven Charakter der Ausstellung. Objekte müssen klar hervortreten und Podeste müssen ebenfalls deutlich sichtbar sein.

Ein grosser, schwarzer Hintergrund steht in einem hellen Raum, von Leitern und Werkzeugen umgeben

Wände und Podeste müssen sich in der kommenden Ausstellung «Die Eule ist pink» klar abheben