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Gestickter Widerstand

Wyschywanka-Blusen sind Teil der Ausstellung «Die Eule ist pink». Während der Vorbereitung haben wir vier Ukrainerinnen ins Depot eingeladen. Sie erzählen von ihrer Verbindung zur ukrainischen Stickerei und wie sie sich seit dem Krieg verändert hat.

An einem grauen Wintertag Ende Januar bringen Maryna Tsarinna und ihre Tochter Yuliia Tsarinna Farbe in das Museumsdepot: Gekleidet in farbenfroher, traditionell ukrainischer Kleidung betreten sie das Gebäude, um ihr Wissen über die ukrainische Stickerei mit uns zu teilen. Begleitet werden sie von Natalia Brezny-Gawrilko aus dem Verein «Ukrainer in Basel», die als Vermittlerin und Übersetzerin fungiert.

Kuratorin Tabea Buri im Gespräch mit Natalia Brezny-Gawrilko, Yuliia und Maryna Tsarinna (v.l.)

Sieben ähnliche Blusen, wie sie Maryna und Yuliia tragen, liegen für den Besuch bereit. Sie sind auch bunt bestickt. Das sind Wyschywanka, regionsspezifische Stickmuster, welche die tragende Person vor bösen Mächten schützen sollen. Deshalb sind die Blusen vor allem an den «Eingängen» bestickt: Den Ärmeln und den Ausschnitten entlang räkeln sich unterschiedlichste Motive, wobei jedes Muster und jede Farbe eine eigene Bedeutung hat.

Vergangenheit und Zukunft

Laut Maryna ist das Motiv des Lebensbaums besonders wichtig. Die Äste und Blätter symbolisieren die jungen Generationen. Der Stamm, der in der schwarzen Erde verankert ist, steht für die Verbindung zu den älteren Familienmitgliedern. Der Lebensbaum ist Schutzsymbol und Andenken zugleich, vereinigt Vergangenheit und Zukunft.

Wyschywanka-Bluse mit Lebensbaummotiv

Themen, die seit dem russischen Angriff auf die Ukraine in 2022 besonders präsent sind. Maryna erzählt, als sie und Yuliia im Juli 2022 in die Schweiz flüchteten, waren Wyschywanka das Erste, was sie in ihren Koffer legte. Yuliia stimmt zu: «In unseren Koffern waren nur Wyschywanka, weil für mich sind Wyschywanka Heimat.» 

Wyschywanka sind Heimat

Eine Woche später kommt Olha Shvets die Wyschywanka-Blusen und uns besuchen. Seit 16 Jahren in der Schweiz, betont auch sie den neuen Symbolcharakter, den die Wyschywanka seit dem Angriffskrieg von Russland angenommen haben: «Jetzt gibt es immer mehr davon [Wyschywanka], weil das Risiko besteht, dass die Ukraine verschwindet. Es sind schwierige Zeiten. Und deshalb kommt so etwas noch stärker zum Vorschein. Es wird noch mehr geschätzt.»

Olha Shvets (l.) mit Kuratorin Tabea Buri

Mit ihrer starken Verknüpfung zur ukrainischen Geschichte stehen Wyschywanka für eine unabhängige ukrainische Identität. Sie sind zum Symbol für den Widerstand gegen Russlands Annektierungsabsichten geworden. Aus einer schutzbietenden Bluse für Feierlichkeiten wurde ein Kleidungsstück, welches Solidarität ausdrückt und Ukrainer*innen weltweit verbindet. 

Im Video

Die Wyschywanka-Blusen sind in der aktuellen Ausstellung «Die Eule ist pink – farbige Geschichten» zu bestaunen. Dort gibt es auch einen Film, der den Besuch der vier Frauen dokumentiert und einen tieferen Einblick in ihre Geschichten erlaubt.