Astreines Holz für die Toten
Der Toten gedenken. Dies ist Teil der Ausstellung «Der Weg ins Jenseits», die nächste Woche eröffnet wird. In Japan kommen Totenbretter zum Einsatz. Wir haben entdeckt, woher diese ursprünglich kommen.
Was hat ein Sägewerk aus dem Schwarzwald mit dem Totengedenken in Japan zu tun? Diese Frage kam bei den Recherchen zur Ausstellung «Der Weg ins Jenseits» auf, als wir auf einen Artikel über Holz und Holzexport im Schwarzwald aufmerksam gemacht wurden und auf das Sägewerk Echtle stiessen, das jedes Jahr grosse Mengen an schmalen Weisstannenbrettern nach Japan exportiert. Diese Bretter dienen als Rohlinge für die japanischen Totenbrettchen toba.
Tief im Schwarzwald
Um dieser aussergewöhnlichen Verbindung auf den Grund zu gehen, fuhren wir Ende Januar in den Schwarzwald. Angekommen in Nordrach, empfingen uns neben Tannen- und Waldduft viele grosse Baumstämme sowie der Geschäftsführer Manuel Echtle.

Das Sägewerk Echtle in Nordrach

Qualitätsholz aus dem Schwarzwald
Durch ihn erfuhren wir, dass das Sägewerk bereits seit 1890 besteht, zuerst lediglich als Zuerwerb zur Landwirtschaft während der kalten Wintermonate. In den 1990er-Jahren hat man sich auf Nischenmärkte und Qualitätsholz spezialisiert und seit etwa 20 Jahren produziert Echtle neben einem vielfältigen Angebot aus Holz, die toba-Rohlinge aus dem Holz der Weisstanne für drei japanische Firmen und deckt dabei etwa 90 Prozent des japanischen Marktes ab.
Wünsche für die Toten
Die toba sind Teil des buddhistischen Totengedenkens in Japan. Die Rohlinge werden nach ihrer Ankunft in kleinen Manufakturen eingekerbt und in ihre finale Form gebracht. Anschliessend versehen Mönche sie mit guten Wünschen und Gebeten für die Verstorbenen.
Einmal im Jahr erneuern die Angehörigen die toba. Die alten Totenbretter werden im Tempel verbrannt und die neuen, geweihten Bretter auf dem Friedhof auf oder in direkter Nähe zum Grab aufgestellt.
Wieso liefert ein Sägewerk aus dem Schwarzwald die Bretter nach Japan?
Früher wurden die Totenbretter aus der japanischen Zeder, später auch aus Hemlocktannen und Sitka-Fichten hergestellt. Deren Bestände sind mittlerweile versiegt und es wird heute hauptsächlich das Holz der Weisstanne aus dem Schwarzwald verwendet, aufgrund seiner besonderen Qualität.
Für die japanischen Kund*innen ist ausschlaggebend, dass das Holz für die toba fehlerfrei, astfrei und mit gleichmässiger geradliniger Holzstruktur ist. Die Jahresringe im Längsschnitt des Holzes müssen durchgehend sein, denn die ungebrochenen Linien stehen für ein ungebrochenes Leben.
Manuel Echtle betont, dass jedoch auch der Bestand der Weisstanne im Schwarzwald in wenigen Jahrzehnten aufgebraucht sein wird. Irgendwann muss also eine neue Holzquelle für die toba gefunden werden, die den hohen Ansprüchen gerecht wird.
Einblick ins Sägewerk
Bei einer Führung durch das Sägewerk konnten wir zusehen, wie aus den ca. 120 Jahre alten Baumstämmen mit Hilfe von Spezialsägen kleinere Stücke herausgesägt werden und Schritt für Schritt schliesslich die schmalen Rohlinge entstehen.

Nur astreine Rohlinge dürfen nach Japan
Es kommt auch ein spezieller Holzscanner zum Einsatz, der die Holzbretter fasergenau nach Astlöchern und Unebenheiten scannt und eine Auswahl der qualitativ besten Bretter ermöglicht.

Rund zwei Millionen Bretter werden pro Jahr nach Japan transportiert
Die fertigen Rohlinge stehen dann für ihren Transport via Container nach Japan bereit. Pro Woche wird ein Hochseecontainer mit 40 000 Rohlingen nach Japan versendet, jährlich sind es insgesamt etwa zwei Millionen Totenbretter.
Ankunft des toba
Wenige Monate nach unserem Besuch erhielten wir ein Paket aus dem japanischen Hitachi. Ein Kunde des Sägewerks Echtle hat uns auf Vermittlung von Manuel Echtle ein beschriftetes toba für die Ausstellung «Der Weg ins Jenseits» zukommen lassen!

Vom Schwarzwald via Japan nach Basel: Totenbrett zur Verfügung gestellt von Hitachiko Mokuzai Soko K.K.