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Besuchende gingen in sich

Die Ausstellung «schön spirituell» wird abgebaut. Was bleibt sind die Dankesworte der Besucher*innen im Gästebuch. Und die vielen Zettel, auf denen sie festgehalten haben, was Spiritualität für sie bedeutet.

Die Weihnachtsausstellung inspirierte offenbar viele Besucher*innen über die Bedeutung von Spiritualität für sie selbst nachzudenken. Die Wand gleich beim Eingang zur Ausstellung war übersät mit Zetteln, auf denen sie sich erklärten.

Weisse Wand, an der viele kleine weisse Zettel hängen, die mit blauem Kugelschreiber beschriftet sind. In schwarzer Schrift steht links oben auf der Wand: Was ist Spiritualität für dich?

Von Tag zu Tag wurde die Zettelwand in der Ausstellung «schön spirituell» voller

«Eins sein», war ganz oft zu lesen. Eins sein mit sich, mit der Welt, mit anderen Lebewesen.  In Einklang sein mit Körper, Geist und Seele. Jemand schrieb: «Eins ist Liebe».

«In sich gehen» war auch eine viel notierte Definition. Manche gehen die Tiefe, in «Erdentiefe», andere in «Himmelshöhe» oder auf «höhere Bewusstseinsebenen». Sie suchen den «Kontakt zur unbekannten Unendlichkeit», mit einer Welt, die nicht mit den Sinnen erlebbar ist.

In einem hohen Saal, von dem man die weisse Decke sieht, hängen farbige Zettel an einer Leine.

Manche gehen spirituell hoch hinaus

Oft genügte den Besucher*innen ein Wort – wobei ganz Unterschiedliches zusammenkam: Alles, Achtsamkeit, Aufgehobensein, Dankbarkeit, Flucht, Freiheit, Friede, Geborgenheit, Gedanken, Gefühl, Gesundheit, Glücklichsein, Heimat, Hoffnung, Höhe, Leben, Lebensart, Lebenszweck, Liebe, Loslassen, Reinheit, Rituale, Selbstakzeptanz, Selbsterfolg, Selbstliebe, Selbstrespekt, Selbstwert, Vergebung, Vertrauen, Zufriedenheit.

Das Innere Ich spüren

Interessant, dass einige Besucher*innen ganz bewusst folgende zwei Worte für ihre Erklärung wählten: Bewusst sein, Da sein. Dazu passt: «Das innere Ich spüren und als Folge im Hier und Jetzt sein».

Für eine Person bedeutet Spiritualität, «wenn Gedanken, Worte und Taten harmonieren, befreit von Gier und Abneigung». Jemand anderes bemerkte: «Alles, was dem Kapitalismus entkommt». Ganz ähnlich sieht es eine dritte Person: «Träger der Liebe, die mir helfen soll, endlich aus dem materialistischen Glauben auszusteigen und eine friedliche Welt zu schaffen».

In einem grünen Podest ist eine Vertiefung eingelassen, die mit einer Glasplatte bedeckt ist. Im schwarzen Loch ist ein rundes Bild zu sehen. Es ist eine Zeichnung einer Weihnachtsstube.

Andere blicken in die Tiefe

Ein*e Besucher*in erhofft sich, über das Ego gehen zu können, Mitgefühl und Respekt für alle Lebewesen zu erlangen. So sieht es auch eine andere Person, für die es der Weg zur besten und hilfreichsten Version ihres Selbst ist. Dadurch könne sie Liebe, Mitgefühl und Freude entwickeln – unbegrenzt.

Andere werden still. Sie finden Ruhe und Heilung. Sie werden ausgeglichen und schliessen Frieden, mit sich und der Welt.

Sich mit der Intuition verbinden

Im Gästebuch waren Definitionen zu lesen, die in die gleiche Richtung gehen: «Suche nach der Wahrheit, die klare Sicht, Dinge so zu sehen, wie sie sind.» Und: «Nach innen schauen, dem Herzen folgen und mit dem Verstand umsetzen» sowie «Sich mit der Intuition verbinden und davon leiten lassen».

Weisse Wand, auf der viele kleine weisse Zettel mit grünen Klebern festgemacht sind. Auf den Zetteln stehen Worte und Sätze. Links oben auf der Wand steht die Frage: Was ist Spiritualität für dich?

Die Zettel zeigten, Spiritualität ist etwas sehr individuelles – und doch verbindendes

Nur sehr wenige verbinden Spiritualität mit Gott, mit ihrem Glauben. Dafür wurden Ignatius von Loyola, Gandhi und Carl Gustav Jung zitiert.

Für viele Besucher*innen hängt Spiritualität eng mit Natur zusammen. Spiritualität sei Respekt vor Mutter Natur. Es bedeute, eins sein mit der Natur, verbunden sein mit der Natur. Es sei die Kraft der Natur. Es bedeute, in der Natur und ihren Schönheiten sein, schrieben sie.

Auf einem Berg stehen

Dann wurden sie konkreter: Spiritualität sei Sonne, Meer, Natur. Eine Wiese im Licht. Es bedeute, auf einem Berg stehen, in einen Wald gehen, in einem See schwimmen und in der Wüste sitzen.

Diese sehr praktische Spiritualität fand sich auch auf drei weiteren Zetteln: Schwimmen und Zeit mit lieben Leuten verbringen, ohne Störung einen Scherenschnitt machen oder «lemon squid» geniessen. Ein*e Besucher*in hielt es im Gästebuch so fest: «Das, was wir ständig in der Zukunft und Ferne zu verorten vermuten, aber eigentlich direkt vor unserer Nase und in diesem Moment finden».